Meldebestand berechnen: Die Formel ist kurz, die Wiederbeschaffungszeit macht die Arbeit
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Meldebestand berechnen: Die Formel ist kurz, die Wiederbeschaffungszeit macht die Arbeit

T. Krause

T. Krause

Meldebestand berechnen: die Formel

Der Meldebestand ist der Bestand, bei dem Sie nachbestellen. Er ist so gewählt, dass die Lieferung eintrifft, wenn nur noch der Sicherheitsbestand im Regal liegt. Ein anderer Name dafür ist Bestellpunkt.

Meldebestand = Verbrauch pro Tag × Wiederbeschaffungszeit in Tagen + Sicherheitsbestand

MB = V × WBZ + SB

Verbrauch pro Tag. V ist der Verbrauch eines Zeitraums, geteilt durch dessen Tage. Dieser Beitrag teilt den Jahresverbrauch durch 365 Kalendertage.

Wiederbeschaffungszeit. WBZ läuft von dem Tag, an dem der Bestand den Meldebestand erreicht, bis zu dem Tag, an dem die Lieferung gebucht ist und entnommen werden kann. Die Lieferzeit des Lieferanten ist nur ein Teil davon. Zählen Sie in denselben Tagen wie beim Verbrauch, hier in Kalendertagen.

Sicherheitsbestand. SB ist die Menge, die für den Fall bereitliegt, dass die Lieferung später kommt oder mehr abgeht als gerechnet. Die einfache Regel dafür ist Verbrauch pro Tag × Sicherheitstage. Was sie auslässt, steht im Abschnitt zum Sicherheitsbestand.

V × WBZ ist die Menge, die bis zur Lieferung noch abgeht. Ein Artikel mit 600 Stück im Jahr, 140 Tagen Wiederbeschaffungszeit und 150 Stück Sicherheitsbestand hat einen Meldebestand von 600 × 140 ÷ 365 + 150 = 380,1, aufgerundet 381 Stück.

Das Beispiel: Meldebestand für sechs Artikel eines Ersatzteillagers

Das ist ein Rechenbeispiel mit erfundenen Zahlen. Auch Betrieb und Artikel sind erfunden. Es ist die Liste aus dem Beitrag Lagerumschlag und Lagerreichweite berechnen, das Ersatzteillager eines Pumpenherstellers über ein Jahr mit 365 Tagen.

Von dort stammen die Artikel, der Jahresverbrauch und der Endbestand, die 35 Tage beim Elektromotor und bei der Steuerplatine 20 Wochen, 150 Stück Sicherheitsbestand und 300 Stück Bestellmenge. Alle anderen Wiederbeschaffungszeiten und Sicherheitsbestände sind für diesen Beitrag hinzugefügt. Die 35 Tage und die 20 Wochen gelten hier als ganze Wiederbeschaffungszeit, mit Bestellweg und Wareneingang.

ArtikelVerbrauch im Jahr in StückEndbestand in StückWiederbeschaffungszeit in TagenSicherheitsbestand in Stück
Gleitringdichtung6.0005501280
Dichtungssatz9.0001.60021250
Elektromotor 0,75 kW1.2001203530
Laufrad1.2003003040
Steuerplatine600290140150
Gehäuse, alte Baureihe40180605

Alle Rechnungen nehmen den ungerundeten Tagesverbrauch. Zwischenwerte stehen mit einer oder zwei Nachkommastellen da, der Meldebestand ist auf ganze Stück aufgerundet.

Schritt 1: Verbrauch pro Tag

Für die Steuerplatine sind das 600 Stück ÷ 365 Tage = 1,64 Stück pro Tag.

Schritt 2: Verbrauch in der Wiederbeschaffungszeit

600 Stück × 140 Tage ÷ 365 Tage = 230,1 Stück

Schritt 3: Sicherheitsbestand dazuzählen

230,1 Stück + 150 Stück = 380,1 Stück, aufgerundet 381 Stück

Fällt der verfügbare Bestand auf 381 Platinen, ist die Bestellung fällig. Kommt die Lieferung pünktlich, liegt an dem Tag noch der Sicherheitsbestand im Regal.

Dieselbe Rechnung für alle sechs Artikel:

ArtikelVerbrauch pro Tag in StückVerbrauch in der WiederbeschaffungszeitSicherheitsbestandMeldebestand
Gleitringdichtung16,44197,380278
Dichtungssatz24,66517,8250768
Elektromotor 0,75 kW3,29115,130146
Laufrad3,2998,640139
Steuerplatine1,64230,1150381
Gehäuse, alte Baureihe0,116,6512

Was die Liste am Stichtag sagt

Halten Sie den Endbestand neben den Meldebestand. Vier Artikel liegen darüber. Vom Gehäuse der alten Baureihe sind 180 Stück da, der Meldebestand ist 12. Bis dahin vergehen 168 × 365 ÷ 40 = 1.533 Tage, gut vier Jahre.

Zwei Artikel liegen darunter. Von der Steuerplatine sind 290 Stück da, 91 weniger als der Meldebestand. Das ist kein Alarm, solange die Bestellung über 300 Stück unterwegs ist. Sie wäre vor 91 × 365 ÷ 600 = 55,4 Tagen fällig gewesen. Vom Elektromotor liegen 120 Stück im Regal, 26 unter dem Meldebestand. Ist keine Bestellung offen, ist sie seit 26 × 365 ÷ 1.200 = 7,9 Tagen überfällig.

Der Vergleich läuft gegen den Buchbestand

Das System vergleicht den Meldebestand mit dem Buchbestand und nicht mit dem Regal. Im Lagerumschlag-Beitrag findet eine Zählung 96 Motoren, wo das System 120 führt. Fehlen die 24 Stück schon länger, liegen 122 Motoren im Regal, wenn das System 146 meldet. Bis zur Lieferung gehen 115,1 Stück ab, übrig bleiben 122 − 115,1 = 6,9 Stück. Mit einem richtigen Buchbestand wären es 30,9. 24 der 30 Stück Sicherheitsbestand gab es nur im System. Wie solche Differenzen entstehen, steht im Beitrag über Inventurdifferenzen.

Meldebestand zeichnen: das Sägezahndiagramm

Auf Papier sieht der Bestandsverlauf eines Artikels aus wie ein Sägeblatt. Jeder Zahn ist ein Bestellzyklus. Für die Steuerplatine aus dem Beispiel brauchen Sie dazu nur die Zahlen aus der Tabelle oben und die Bestellmenge von 300 Stück.

  1. Zeichnen Sie die waagerechte Achse als Zeit in Tagen, von 0 bis 365. Die senkrechte Achse ist der Bestand in Stück, von 0 bis 500.
  2. Ziehen Sie zwei waagerechte Linien quer durch das Diagramm, eine bei 150 Stück für den Sicherheitsbestand und eine bei 381 Stück für den Meldebestand.
  3. Am Tag 0 trifft eine Lieferung ein. Der Bestand springt senkrecht von 150 auf 450 Stück.
  4. Von dort fällt eine Gerade mit 1,64 Stück pro Tag. Sie kreuzt die Meldebestandslinie nach (450 − 381) ÷ 1,64 = 42 Tagen. Dort geht die Bestellung hinaus, setzen Sie einen Punkt.
  5. Die Gerade fällt weiter, bis sie am Tag 182 die Linie des Sicherheitsbestands erreicht. Dann kommt die Lieferung, und der Bestand springt wieder auf 450. Die Strecke auf der Zeitachse zwischen Bestellpunkt und Lieferung ist die Wiederbeschaffungszeit. Beschriften Sie sie mit 140 Tagen.

Bis Tag 365 entsteht so ein zweiter Zahn. Die Eckpunkte zum Abzeichnen:

TagWas passiertBestand in Stück
0Lieferung über 300 Stück150, danach 450
42Meldebestand erreicht, Bestellung geht hinaus381
182Lieferung über 300 Stück150, danach 450
224Meldebestand erreicht, Bestellung geht hinaus381
365Lieferung über 300 Stück150, danach 450

Am fertigen Bild lesen Sie drei Dinge ab. Der Abstand zwischen den beiden Linien ist der Verbrauch in der Wiederbeschaffungszeit, hier rund 230 Stück. Zwischen Tag 42 und Tag 182 liegt der Bestand unter dem Meldebestand, obwohl alles in Ordnung ist, weil die Bestellung unterwegs ist. Das ist Fehler 5 weiter unten. Und wenn Sie statt der Geraden die gebuchten Bestände aus dem ERP eintragen, sehen Sie sofort, bei welcher Lieferung die Linie unter 150 gefallen ist und der Sicherheitsbestand gebraucht wurde.

Sicherheitsbestand berechnen: was die einfache Regel abdeckt

Die einfache Regel legt den Sicherheitsbestand in Tagen fest.

Sicherheitsbestand = Verbrauch pro Tag × Sicherheitstage

Rückwärts gerechnet prüfen Sie damit eine Menge, die jemand vor Jahren eingetragen hat. Die 150 Steuerplatinen sind 150 × 365 ÷ 600 = 91,25 Tage, rund 13 Wochen. Die 80 Gleitringdichtungen sind 80 × 365 ÷ 6.000 = 4,9 Tage. In Tagen sagt die Zahl, wie lange sich eine Lieferung bei gewohntem Verbrauch verspäten darf, bevor das Fach leer ist.

Genau diesen einen Fall deckt die Regel ab. Sie weiß nicht, wie oft der Lieferant zu spät kommt und um wie viele Tage. Wie stark der Verbrauch von Tag zu Tag schwankt, weiß sie auch nicht. Wer die Sicherheitstage nach Gefühl festlegt, hat für jeden Artikel eine Zahl und für keinen eine Begründung. Bei welchen Artikeln sich die genaue Rechnung zuerst lohnt, zeigt eine ABC-Analyse nach dem Verbrauchswert, gerechnet an derselben, um neun Artikel erweiterten Liste.

Die Formel mit Servicegrad

Eine zweite Formel rechnet mit der Streuung des Verbrauchs.

Sicherheitsbestand = z × σ × √Wiederbeschaffungszeit

σ ist die Standardabweichung des Verbrauchs pro Tag, z ein Faktor, der vom gewünschten Servicegrad abhängt. Für 95 % ist z = 1,65. Der Bestand reicht dann in 95 von 100 Wiederbeschaffungszeiten. Angenommen, der Tagesverbrauch der Gleitringdichtung streut mit σ = 6 Stück. Dann sind es 1,65 × 6 × √12 = 34,3 Stück, aufgerundet 35. Der Meldebestand läge bei 197,3 + 34,3 = 231,6, aufgerundet 232 Stück statt 278. Wie Sie die Streuung aus zwölf Monatswerten rechnen und auf den Tag umrechnen, zeigt der Beitrag XYZ-Analyse berechnen.

Auch diese Formel lässt etwas aus. Sie gilt für eine feste Wiederbeschaffungszeit, verspätete Lieferungen kommen in ihr nicht vor. Und sie setzt voraus, dass der Tagesverbrauch um seinen Mittelwert streut wie eine Glockenkurve. Vom Gehäuse der alten Baureihe geht an den meisten Tagen kein Stück ab, dort passt sie nicht.

Fünf Zählfehler beim Meldebestand

Bei jedem Fehler stehen Zahlen aus der Liste.

1. Die Lieferzeit aus dem Katalog nehmen

Der Lieferant der Gleitringdichtung nennt acht Tage. Angenommen, bis die Bestellung hinausgeht, vergehen zwei Tage, und der Wareneingang braucht zwei weitere, bis die Lieferung gebucht ist. Das sind 2 + 8 + 2 = 12 Tage, wie in der Liste.

Mit acht Tagen kommt 6.000 × 8 ÷ 365 + 80 = 211,5 heraus, aufgerundet 212 Stück statt 278. Wer bei 212 bestellt, hat bei der Lieferung noch 212 − 197,3 = 14,7 Stück. Von 80 Dichtungen Sicherheitsbestand ist dann jedes Mal fast nichts mehr da, auch wenn der Lieferant pünktlich ist.

Messen Sie die Wiederbeschaffungszeit an Ihren letzten zehn Bestellungen, vom Tag, an dem der Meldebestand erreicht war, bis zur Buchung im Wareneingang.

2. Einen Saisonartikel über das Jahr mitteln

Im Beispiel geht der Dichtungssatz gleichmäßig ab, die XYZ-Analyse derselben Liste ordnet ihn in X ein. Saisonal ist dort der Druckschalter, und der fehlt in diesen sechs Artikeln. Die Rechnung leiht sich deshalb die Zahlen des Dichtungssatzes und gibt ihm eine Saison. Angenommen, 4.500 der 9.000 Stück fielen in die 100 Tage einer Wartungssaison. Über das Jahr blieben es 24,66 Stück pro Tag, in der Saison wären es 45 und an den übrigen 265 Tagen 16,98.

Der Meldebestand aus dem Jahresdurchschnitt ist 768 Stück. In der Saison gehen in den 21 Tagen aber 45 × 21 = 945 Stück ab. Es fehlen 177 Stück, und das Fach ist 177 ÷ 45 = 3,9 Tage vor der Lieferung leer. Der Sicherheitsbestand ist da schon verbraucht.

Mit dem Verbrauch der Saison sind es 945 + 250 = 1.195 Stück, außerhalb der Saison 16,98 × 21 + 250 = 606,6, aufgerundet 607. Ein Saisonartikel braucht zwei Meldebestände und einen Termin, an dem jemand umstellt.

3. Die Sicherheit zweimal einrechnen

Die Steuerplatine hat 150 Stück Sicherheitsbestand. Angenommen, im System stehen zur Vorsicht 24 Wochen Wiederbeschaffungszeit statt 20. Dann kommt 600 × 168 ÷ 365 + 150 = 426,2 heraus, aufgerundet 427 Stück. Das sind 46 Platinen mehr als 381. Beim Einstandspreis von 120,00 € aus der Lagerumschlag-Liste liegen 5.520 € zusätzlich im Regal, und niemand hat sie als Sicherheitsbestand beschlossen.

Rundet jemand außerdem den Tagesverbrauch von 1,64 auf 2 Stück auf, werden es 2 × 168 + 150 = 486 Stück. Das sind 105 Platinen oder 12.600 € über dem gerechneten Wert. Bei einer pünktlichen Lieferung liegen dann noch 486 − 230,1 = 255,9 Platinen im Regal statt der 150, die entschieden sind.

Die Sicherheit gehört an eine Stelle der Formel, in den Sicherheitsbestand. Die anderen Größen bleiben gemessen.

4. Den Meldebestand nach einem Lieferantenwechsel stehen lassen

Der Meldebestand des Laufrads ist 139 Stück, gerechnet mit 30 Tagen. Angenommen, der Einkauf wechselt zu einem günstigeren Lieferanten, der 56 Tage braucht. Richtig sind jetzt 1.200 × 56 ÷ 365 + 40 = 224,1, aufgerundet 225 Stück.

Bleibt die 139 im System, ist das Fach nach 139 × 365 ÷ 1.200 = 42,3 Tagen leer. Die Lieferung kommt nach 56 Tagen. Das Lager steht 13,7 Tage ohne Laufrad da.

Der Meldebestand hat drei Eingaben. Ändert sich eine davon, rechnen Sie ihn neu.

5. Offene Bestellungen nicht mitzählen

Nach der Bestellung sinkt der Bestand der Steuerplatine 140 Tage lang weiter, von 381 auf 381 − 230,1 = 150,9 Stück. An jedem dieser Tage liegt er unter dem Meldebestand. Ein Abgleich, der nur das Regal ansieht, schlägt jeden Tag eine neue Bestellung vor.

Vergleichen Sie deshalb den verfügbaren Bestand mit dem Meldebestand.

Verfügbarer Bestand = Bestand im Lager + offene Bestellungen − reservierte Mengen

Mit den 300 bestellten Platinen liegt er über 381, und der Vorschlag bleibt aus.

Angenommen, der Betrieb halbiert die Bestellmenge auf 150 Stück, um Bestand abzubauen. Nach einer Lieferung liegen dann 150 + 150 = 300 Platinen im Regal, und mehr werden es nicht. Das ist weniger als der Meldebestand. 150 Stück reichen 91,25 Tage, die Lieferung braucht 140. Es ist also immer mindestens eine Bestellung unterwegs. Bei 231 Platinen im Regal und einer offenen Bestellung über 150 Stück ist der verfügbare Bestand 381, und die nächste Bestellung ist fällig. Welche Bestellmenge bei gegebenen Bestell- und Lagerkosten am wenigsten kostet, rechnet der Beitrag Optimale Bestellmenge berechnen an derselben Liste durch.

Der nächste Schritt

Nehmen Sie zehn Artikel, bei denen in den letzten zwölf Monaten das Fach leer war oder eine Eilbestellung nötig wurde. Schreiben Sie zu jedem den Meldebestand aus dem System, den Jahresverbrauch, die gemessene Wiederbeschaffungszeit und den Sicherheitsbestand auf und rechnen Sie nach. Notieren Sie daneben, wann der Meldebestand zuletzt geändert wurde und von wem. Dafür reicht eine Tabellenkalkulation.

Wenn Sie wissen wollen, wo zwischen Bedarf, Bestellung und Wareneingang die Tage verloren gehen, ist das der Umfang unserer Prozessanalyse. Fester Umfang, feste Dauer, fester Preis.

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